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Liebeserklärungen für alle Lebenslagen – Michael Sens

Michael Sens: Das Casanova-Prinzip – Kritik

Michael Sens

BERLIN (gc) – Was macht der Mann da im ausverkauften Berliner Theater ‚Die Wühlmäuse’? Alles ein bisschen, aber von nichts zu viel! Michael Sens ist schon seit frühester Kindheit ein musikalisch vorbelasteter Mensch. Später, in Studienzeiten, hat er sich dann an Violine, Klavier, Komposition und auch Gesang abgearbeitet. Das spürt man. Eine ungeheure Lust an Spiel und Perfektion zeigt Michael Sens, wenn er das ‚Casanova-Prinzip’ erklärt. Es bedeute schlichtweg, die Frauen in sich verliebt zu machen – über den ersten Abend hinaus! Und höflich zu sein, den Frauen also beim Auszug aus der gemeinsamen Wohnung die Tür aufzuhalten.

Doch der Abend beschränkt sich nicht auf allgemeine Ratschläge zum glücklichen Umgang mit dem anderen Geschlecht. Es ist vielmehr eine wortgewaltige Kaskade kleiner und großer Bosheiten, die dem Publikum entgegenschlägt. Stark differierende Formen der Wohnraumgestaltung alleinlebender Männer und Frauen werden sehr plastisch dargestellt: Chaos und Schmutz stehen hier Eleganz und Stil gegenüber.

Da sollte der perfekte Liebesbrief ruhig mit dem diktatorischen Personalpronomen ‚mein’ beginnen, ‚Mein lichtumwobener Edelstein’ sei ein guter Anfang. Liebesbriefe verschiedener Berufsgruppen werden vorgetragen, zum Beispiel die von Mathematiklehrern. Diese seien zwar in der Regel berechnend, aber auch bei ihnen gehe in der Liebe nicht jede Gleichung auf. Wo aber kann der Traumpartner kennengelernt werden? In der Sauna sei das manchmal möglich, wenn nicht der Sauna-Proll störe, dieser „Silberrücken vom Planet der Affen“.

Michael Sens lädt mit der Gitarre zu Ausflügen in die Musikgeschichte ein: zum Minnesang und zur Entstehung der Notation. Er spielt am Flügel seinen Evergreen um den ‚Cup der toten Tonsetzer’, einem Fußballspiel klassischer Komponisten, bei dem jedem Kicker eine charakteristische Melodie zugeordnet ist. Mit der Geige kann er endlich zugeben, der Zwillingsbruder von André Rieu zu sein, optisch und musikalisch.

Sens singt irgendwo in der Mitte zwischen Oper und Pop. Singen reicht ihm aber nicht, er stellt seine Lieder auch noch szenisch dar. Köstlich, wie er das beim Lied über Holz hackende Männer tut und sowohl das ‚Ave Maria’ von Franz Schubert als auch rammsteinähnlichen Krach einsetzt. Auch vor Parodien macht der Künstler nicht halt. Hier und da blitzt sogar etwas Politisches auf. Das Publikum ist anfangs unsicher, wie es mit diesem großen Sprachschnitzer und scharfen Beobachter umgehen soll. Doch das legt sich bald, und alle sind sich einig: Der ist klasse! Der Stil ist nicht so leicht zu schubladisieren, aber der Spaß ist garantiert.

Gilles Chevalier © 2011 BonMoT-Berlin Ltd.

nächste Termine:
8.3.2011 Leipzig, Funzel – Achtung: Internationaler Frauentag!!!
18.3.2011 Wangen, Hängeschmiede
20.3.2011 Köln, Senftöpfchen, Kabarettbundesliga
31.5.2011 Oldenburg, Staatstheater

www.michael-sens.de

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