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Kleinkunstfestival 2011 bei den Wühlmäusen – Kritik

Live und Lustig Banner - Kleinkunstfestival 2011 - Foto © Thomas Rah
Gewinner sind Philip Simon und Abdelkarim Zemhoute
BERLIN (bm) – Beim großen Kleinkunstfestival für Kabarett, Comedy und Musik 2011 im Theater Die Wühlmäuse hat der in Berlin lebende Niederländer Philip Simon den Publikumspreis gewonnen. Die Jury entschied sich für Abdelkarim Zemhoute als Preisträger, den aus Bielefeld stammenden Comedian mit marokkanischen Wurzeln.
Den Berlin-Preis erhielt Hans Werner Olm. Der Ehren-Preis ging an Frank Zander.

ES WAR EIN FEST. zum glück kein beklemmender konkurrenzkampf der kandidaten, sondern EINE GROSSE SHOW, die viel Spaß gemacht hat. Für die Zuschauer ein Marathon mit wenig Musik, dafür viel Wort, tendenziell Comedy, und viel zum gucken. Um viertel nach zwölf wurde es rausgelassen, das atemlose Publikum.

Abdelkarim Zemhoute - KKF - Foto © Thomas RahFür den Wettbewerb um die beiden Preise von Jury und Publikum waren fünf gesetzte Kandidaten angetreten: Abdelkarim aus dem Bielefelder Ghetto hatte sich als Abdelkarim aus dem Bielefelder Ghetto verkleidet. Ein Typ mit Kunstlederjacke und Vollbart klaut keine Taschen in der Bahn. Der läßt Koffer am Bahnhof stehen. Roberto Capitoni outet sich als gespaltene Persönlichkeit. Eine schwäbische Seele schlägt in seiner italienischen Brust. Kai Magnus Sting hat mit High-Speed-Polit-Kabarett vermutlich viele überfordert.

Philip Simon - KKF - Foto © Thomas RahSebastian Pufpaff rankt Anekdoten um die Reizwörter Toyota und die Bundesbahn, diese Kabarettinstitution mit den defekten Toiletten. Philip Simon spricht deutsch mit holländischem Akzent. Jedenfalls, solange er auf der Bühne steht. Er befreit sich aus der Zwangsjacke von Merkel und Westerwelle: „Ich kann Sie beruhigen, wir haben in Holland das selbe in orange.“ Imponierend auch seine Passage über den Gepäckband-Buddhismus am Flughafen.

Die beiden Preisträger des Vorjahres zeigten sich in Topform. Kabarettist Christoph Sieber schildert die Machtlosigkeit des Menschen in der programmierten Welt. Da kann es durchaus vorkommen, dass die ferngesteuerten Jalousien einen aus dem eigenen Haus aussperren, und man mal auf der Terrasse übernachten muß. Der Puppenspieler Sascha Grammel diesmal ohne Frederic, den Freiherrn von Furchensumpf. Absolut faszinierend: sein Finger-Schattenspiel mit Tierfiguren.

Hans Werner Olm - KKF - Foto © Thomas RahDieter Nuhr hat flott durchmoderiert, und eine ganze Reihe hochkarätiger Künstler haben dafür gesorgt, daß diese Vier-Stunden-Mammutschau der Kleinkunst rasant über die Bühne ging. Mundstuhl aus Hessen, Herbert Knebel und Gabi Decker als brutale Brechstange aus Britz. Großartige Comedy-Pantomime von den Umbilical Brothers aus Australien. Das Duo Oropax hatte für diesen Anlaß extra Mörderwortspiele zwischen Bauarbeiter und Hautarzt mitgebracht – Slapstick in bester Nonstop-Nonsens-Tradition, eine Hommage an den Hausherren der Wühlmäuse und Schirmherren des großen Kleinkunstfestivals, Didi Hallervorden, der es sich seinerseits nicht nehmen ließ, zusammen mit Frank Lüdecke, der zuvor solo aufgetreten war, eine zehn Jahre alte Hammerklamotte noch einmal aufzuführen: die Tarifverhandlung im Telefonladen.

Frank Zander - KKF - Foto © Thomas RahDie beiden Preisträger für Berlin und die Ehre standen bereits vorher fest. Hans Werner Olm nahm Lenas Satellite auf die Schippe und parodierte den Hit in verschiedenen Musikstilen – als Mittelalterversion, von Rammstein, als Barry Gibb und richtig super: als Max Raabe! Und dann kam auch noch Kurt, alias Frank Zander in Hut und Mantel mit Hier kommt Kurt, seit der Geburt heiß ich Kurt.  – Nur nach Hause gehen wir nicht singen alle mit und schwenken Knicklichter. Da ist es bereits viertel nach zwölf! Welchen, wenn nicht diesen, kann sich Didi Hallervorden als gelungenen Abend ins Tagebuch schreiben?

Beate Moeller © 2011 BonMoT-Berlin


Live & lustig gratuliert den Gewinnern und hat auch den dritten bis fünften Sieger zu den Favoriten hinzugefügt. Vielen Dank an Thomas Rah für die Fotos.

Der RBB hat das Spektakel live im Fernsehen ausgestrahlt.
An den beiden Samstagen, 17. und 24. September, jeweils um 20.15 Uhr wiederholt der RBB das Große Kleinkunstfestival in zwei Teilen.
Bei der ARD ist eine Ausstrahlung in drei Teilen an den Montagen 5., 12. und 19. September 2011 am späten Abend geplant.

  1. Herbert Kösters
    11. Januar 2012 um 16:46

    Selten so gelacht, so versuche ich eine kleine Beschreibung dieser Veranstaltung. Bei mir hätte auch Philip Simon den Publikumspreis gewonnen, einfach umwerfend seine Pointen und nie unterhalb der Gürtellinie, wo manch andere sog. Comedians ja nie auskommen. Und ich mag einfach diese Aussprache, weil ich selbst als Schüler 6 Jahre in der Niederlanden war.

  2. Didi
    29. Juni 2011 um 20:50

    Wer kann mir sagen, wer der „Einpeitscher“ vor den Livedarbietungen war?

    • oderus
      2. Juli 2011 um 15:28

      christian oberfuchshuber

  3. Sondereinheit
    28. Juni 2011 um 15:03

    weiss jemand wo ich mir die wiederholung anschauen kann?

    • 28. Juni 2011 um 16:02

      Die Wiederholungstermine stehen am Ende des Beitrags. Ich kann sie hier aber gerne noch einmal wiederholen:

      An den beiden Samstagen, 17. und 24. September, jeweils um 20.15 Uhr wiederholt der RBB das Große Kleinkunstfestival in zwei Teilen.
      Bei der ARD ist eine Ausstrahlung in drei Teilen an den Montagen 5., 12. und 19. September 2011 am späten Abend geplant.

  4. Destino-COrdero
    27. Juni 2011 um 08:38

    Wer war denn der Künstler, der am Anfang die Schattenspiele aufgeführt hat?

  5. fachaela
    26. Juni 2011 um 21:01

    Wie hiessen nochmal die beiden Australier, die aufgetreten sind?

  1. 8. September 2013 um 23:34
  2. 29. März 2012 um 22:56

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