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Les Désaxés: Sea, Sax and Fun – Premierenkritik

Live & Lustig Banner - Les Désaxés - Foto © Michel Lebleux

Saxophone und Choreografie vom Feinsten – Eine Hochglanz-Premiere in der Bar jeder Vernunft

BERLIN (gc) – Eine in blaues Licht getauchte, maritime Kulisse erwartet den Premierengast in der ausverkauften Bar jeder Vernunft. Bar und Saxophon passen schließlich gut zueinander. Aber diese Bar ist ein Theater, und die Saxophone werden auch nicht auf konventionelle Art gespielt.

Samuel Maingaud, Michel Oberli, Guy Rebreyend und Frédéric Saumagne bilden das Quartett Les Désaxés, und sie sind heute Abend an Bord eines Schiffes. Anfangs radebrechen sie bruchstückhaft auf Französisch, Italienisch und Russisch und finden ein wenig umständlich zusammen. Doch alle Verständigungsschwierigkeiten sind wie weggeblasen, wenn sie zu ihren Instrumenten greifen: Sopran-, Tenor-, Alt- und Bariton – auf jeden Fall ein Saxophon. Dann können sie sich sogar streiten, und zwar allein mit den Klängen der Musik und ganz ohne Worte.

Mühelos bewegen sie sich auf ihren Instrumenten spielend über die Bühne und sind dabei perfekt choreografiert. Im Free-Jazz-Sound geben die Solisten erste Kostproben ihrer Virtuosität. Doch neben dem Spiel beherrschen sie auch den Gesang: Sei es Schuberts Lied „Die Forelle“ in einer ausdrucksstarken Kunstsprache oder ein Choral zu vier Stimmen in standesgemäßen Kostümen, der am Ende in eine gesungene brasilianische Samba kippt. Überhaupt, die Sprache. Sie ist gar nicht nötig, um das Dargebotene zu verstehen. This show is really suitable for tourists!

Die vier zaubern wunderbare Stimmungen. Sie spielen Trénets Chanson „La mer“, gleiten damit in eine Jazz-Adaption ab, die schließlich in Wagners „Ritt der Walküren“ mündet. Herrlich! Plötzlich spült ihnen das Meer etwas an Bord, mit dem sie Musik machen können: Es ist eine „Message in a Bottle“, aus der sich Reggae- und Hip-Hop-Formen entwickeln.

Les Désaxés verstehen es, Lautes und Leises, Schwungvolles und Meditatives miteinander zu verbinden. Sie zitieren Beethoven, Mozart, Brahms, Schubert und als sie davon genug haben, deuten sie ein Tennisspiel mit ihren Instrumenten an. Die Leichtigkeit, mit der diese Szenen entstehen, vermittelt den Eindruck der Improvisation: Aus rhythmischem Klatschen heraus entsteht ein Flamenco, der sich zu sehnsuchtsvoller spanischer Musik weiterentwickelt. Als weiterer Höhepunkt sei noch der Moment erwähnt, in dem die vier Musiker simultan an sechs Saxophonen spielen. Alles in allem ein toller Abend, der lange nachklingt. Sehr zu empfehlen.

Gilles Chevalier © 2011 BonMoT-Berlin

weitere Termine
2. bis 14. August 2011, (außer Montag, 8.8.):
Berlin, Bar jeder Vernunft, 20 Uhr, sonntags 19 Uhr, Karten: 22 bis 24,50 €

Ticket-Telefon: 030.883 15 82

www.lesdesaxes.com

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