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Ass-Dur – 2. Satz: Largo maggiore – Kritik

Am Flügel tanzen gut unterhaltend flache Witze

Ass-Dur (Foto: Orthuber)BERLIN (gc) – Sie sind noch keine 30 Jahre alt und kennen sich von der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Seit vier Jahren sind sie Ass-Dur: Dominik Wagner und Benedikt Zeitner. Mit ihrem zweiten Programm „2. Satz – Largo maggiore“ gastiert das Duo nun mehrere Wochen lang in der Berliner Bar jeder Vernunft.

Es ist ein ungleiches Paar: Hier der eloquente und selbstsichere Benedikt Zeitner am Mikrofon, dort der schüchterne und tastensichere Dominik Wagner am Flügel.

Wobei sie diese Rollenaufteilung nicht den ganzen Abend konsequent durchhalten und gelegentlich im Gebiet des Bühnenpartners wildern. Der Eine bemüht sich um gepflegte Konversation, während der Andere zotige Witze erzählt – und selbstverständlich die größeren Lacher erzielt. „Was ist blau und steht am Straßenrand? Eine Frostituierte!“

Beide sind große Fans von Michael Jackson und haben deutsche Texte auf die Superhits „Man In The Mirror“ und „Billie Jean“ geschrieben. Auch mit einer choreographierten Szene huldigen sie dem „King of Pop“.

Dominik Wagner gelingt es, die Wurzeln einiger Fangesänge in deutschen Fußballstadien eindeutig klassischen Komponisten zuzuordnen. Überzeugend, wie er „Olé, olé, olé, olé“ schon in Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ und „Ihr könnt nach Hause fahr´n“ in Beethovens „Wut über den verlorenen Groschen“ nachweisen kann. Zusammen kann Ass-Dur ein Lied aus Schuberts „Winterreise“ elegant mit Zitaten aus zeitgenössischen Schlagern kombinieren und trotz des Verwebens beide Stile klar unterscheidbar lassen. Gekonnt! Ass-Dur muss in der Studienzeit schwer gelitten haben unter den trockenen musiktheoretischen Referaten. Auch im zweiten Programm wird diese PostStudentischeBelastungsStörung (PSBS) auf der Bühne verarbeitet, übrigens inklusive der Sprachfehler des Referenten.

Keine Frage: Solange sie singen und am Flügel spielen, sind Ass-Dur nicht zu toppen. Dagegen fallen die Dialoge etwas ab, die in beide Programmteile einleiten. Diese Textpassagen arbeiten zu ausführlich auf zu wenig Greifbares hin. Phantastisch hingegen, wie das Duo es im Finale den ganzen Abend musikalisch Revue passieren lässt und sich gleichzeitig komplett umzieht. Pianist Wagner, der zeitweise angeödet zu sein spielt, ist dann hochkonzentriert. Und Zeitner, der bisweilen etwas stocksteif am Mikrofon steht, vollzieht zusammen mit seinem Partner atemberaubende Verrenkungen am Flügel, um den Schlussapplaus in einem neuen Outfit entgegenzunehmen. Gute Unterhaltung ist da garantiert!

Gilles Chevalier © 2011 BonMot-Berlin

nächste Termine:
16. – 21.August und 30.August – 11.September 2011: Berlin, Bar jeder Vernunft
Mo – Sa 20 Uhr, So 19 Uhr, Tickets: 19 – 24,50 €

30.September 2011: Hiddenhausen, Kleinkunstbühne
1.Oktober 2011: Wiesbaden, Pariser Hoftheater

sowie
Di, 21. und Mi, 22. Februar 2012: Berlin, Bar jeder Vernunft

www.ass-dur.de

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