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Frank Fischer: Deutsh als Fremdsprache – Kritik

Beliebig, belanglos, befremdlich

Frank Fischer Foto © www.fischerfrank.deNein, das ist kein Tippfehler! Frank Fischers Programm heißt wirklich „Deutsh (sic!) als Fremdsprache“ – aber in der Überschrift kann man das schlecht hervorheben. Der Fehler kommt auch nur deshalb zustande, weil…

Aber zuerst möchte ich von meinem Getränk nachschenken. Das beruhigt ein wenig und lässt den Gedanken freien Lauf. Da fällt mir ein, nein, es fällt mir eigentlich gar nicht genau ein, wann ich zum letzten Mal einen Lauf als Jogger getätigt habe. Da habe ich doch gleich ein Ziel für den Tag nach dem Abend mit Frank Fischer…

Ach ja, der Fehler. Der entstand, weil die Volkshochschule einen Zettel mit diesem Tippfehler an den Raum hing, in dem der Kurs stattfinden sollte. Frank Fischer überlegt nun, was so ein Tippfehler alles auslösen kann, wenn ein Fremdsprachler ihn wahrnimmt und verinnerlicht.

Vielleicht sollte ich vorher noch eine Scheibe Brot herrichten. Denn wenn ich unterzuckert bin, werde ich schnell gereizt und ungerecht. Das macht schließlich keinen guten Eindruck auf Theaterbetreiber, Agenten und Künstler, wenn allein aus diesem Grund eine ungerechte Kritik entsteht…

Darum geht es an diesem feucht-warmen Abend in den sehr gut besuchten Berliner Wühlmäusen: Frank Fischer hat einen Freund mit spanischer Staatsangehörigkeit. Der spricht zwar so gut Deutsch wie er, weil er im Alter von zwei Jahren nach Deutschland gekommen ist. Der Vater des Freundes hat aber immer noch einen deutlichen Akzent und will nun richtig Deutsch lernen – in der Volkshochschule.

Also, aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Mutig. Sehen Sie sich mal meinen Namen an. Da könnten Sie den Eindruck gewinnen, dass auch Teile meiner Vorfahren keine deutschen Muttersprachler sind. Und dieser Eindruck ist richtig! Kurz vor dem Renteneintritt hat man meinen aus Frankreich stammenden Vater auch in so einen Kurs geschickt. Trotzdem blieb die Formulierung, „Ich will nur-bloß sagen,…“ eine stehende Redewendung. Ach, ich höre gerade seine Stimme, wie er sagt: „Hein [und das spricht er französisch aus, also nicht wie den deutschen Vornamen], der Abend hatte wohl nur-bloß wenige lustige Stellen?“

Naja, lustige Stellen gab es schon. Etwa wenn Fischer bekennt: „‘Außenminister Westerwelle‘, das klingt wie ‚Bundeskanzler Matthäus.‘“ Oder wenn er die kindliche Angst vor Vampiren mit dem heutigen Auftritt dieser Blutsauger in der Literatur vergleicht, wo bei Sonnenlicht nicht mehr verdampft, sondern geglitzert wird. Leise Lacher sind es dann, die durch den Saal fliegen. Den ganzen Abend über wird es aber nie richtig giftig oder böse, und das Paar auf den beiden Plätzen nebenan hat ausreichend Gelegenheit, sich gegenseitig die Hände und Arme zu streicheln. Auf die Schenkel haben sie sich jedenfalls nicht geklopft.

Oh, was klopft denn hier? Ei, eine SMS. Mal lesen. Ein Kumpel schreibt, und er schreibt auch: „Bitte nicht antworten!“ Na, dann kann die Kritik ja weitergehen.

„Wie sind wir jetzt wieder darauf gekommen?“, fragt Fischer einmal in seinem Programm. Das ist die Kernfrage! Fischer zerstückelt die Geschichte vom Deutschkurs und nimmt sie den ganzen Abend über immer wieder auf. Er findet dabei zweifellos sehr geschickte Übergänge, hetzt aber gleichzeitig atemlos von Thema zu Thema. Ob es dabei um Bluetooth-Ohrhörerträger, Biofleisch-Erzeugung, Kleidung deutscher Touristen im Ausland, Flugangst und ihre Bekämpfung oder um Partnervermittlung im Radio geht, spielt keine Rolle. Es sind einfach zu viele Themen, die angerissen werden. Und bevor der Kursleiter des Deutschkurses seinen ersten Satz sagen kann, gibt es die Pause!

Ja, eine Pause wäre jetzt angenehm! Die Waschmaschine ist noch nicht ausgeräumt, und diese hässlichen Falten in der Kleidung sind wirklich vermeidbar! Und dann steht da noch dieser spannende Umschlag von der Deutschen Rentenversicherung Bund auf dem Schreibtisch, der nach Kontenklärung schreit. Andererseits ist bis zum Renteneintritt bei mir noch etwas Zeit…

Der Kursleiter ist Sachse und sagt im breitesten Dialekt: „Ich heisse Sie willkommen!“ Tja, und der spanische Vater missversteht ihn und meint, sein Name sei „Siewilkomm“. Das ist klasse und der Begriff „Siewilkomm“ könnte sehr gut in den Duden Einzug halten! Der Spanier erkennt auch sofort: „Der ist ein Ossi!“ Gut, für Gastspiele im ehemaligen Berlin-West – schlecht für Gastspiele in den neuen Bundesländern. Was der Künstler auch freimütig zugibt.

Am Ende erzählt Fischer von einem Erlebnis mit einem deutschen Muttersprachler, der mit starkem Dialekt spricht. Der will von ihm wissen, wo die Homepage des Künstlers zu finden ist. Fischer beschreibt ihm den Weg: „Die Straße links runter, dann die Zweite rechts und gleich auf der rechten Seite.“ Der Mann verlässt das Theater, kehrt wenige Minuten später zurück und sagt: „Hey, das ist eine echt prima Homepage!“ Fischer wird skeptisch und bekennt, den beschriebenen Weg selbst abgefahren zu sein. „Wissen Sie, was auf der rechten Seite stand? Nichts! Der hat mich verarscht! Machen Sie es besser!“

Ach so, Sie wollten wissen, wie nun der Abend mit Frank Fischer war? Ach, eigentlich ähnlich wirr wie diese Kritik!

Gilles Chevalier © 2011 BonMot-Berlin

nächste Termine:

Sa, 3.9.2011: Köln, Borros Keller
Fr, 9.9.2011: Duisburg, Die Säule
Mi, 14.9.2011: Mainz, unterhaus

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Prix Pantheon 2011 für Gunkl, Philip Simon, Frank Fischer und Harry Rowohlt

www.fischerfrank.de

Kategorien:Kabarett

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