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Gerd Dudenhöffer spielt Heinz Becker: Sackgasse – Kritik

Gerd Dudenhöffer  SackgasseTrocken sei der Witz, böse und gut

BERLIN (gc) – Seit April tourt Gerd Dudenhöffer als Heinz Becker mit dem Programm „Sackgasse“ durch die Republik. Durch welche Republik eigentlich? So richtig scheint er noch nicht im geeinten Deutschland angekommen zu sein. Schließlich erzählt er von Willi Stankow, der „1990 aus dem ehemaligen Schwerin“ geflohen ist… Kein Wunder, dass die fünf Mauerelemente auf der Bühne der Berliner Wühlmäuse stark an den sogenannten antifaschistischen Schutzwall erinnern. Gut, dass wenigstens die Bühnenfigur Heinz Becker wiedererkennbar geblieben ist: Batschkapp, kleinkariertes Hemd, Hosenträger und Socken, die farblich nicht zu den Schuhen passen.

Ungezwungen, geradezu familiär tritt er vor das Publikum und genauso sind seine Reden. Ungefiltert, unkorrekt und manchmal unüberlegt. Zum Beispiel wenn er postuliert, die Reden einer kinderlosen lesbischen Frau zur Kindererziehung seien vergleichbar mit einem Auftritt Wolfgang Schäubles als Tanzlehrer. Heinz Becker bekommt kaum einen geraden Satz heraus und hat sich schon manches Mal „in der falschen Tür getäuscht“. Seine Übergänge von Thema zu Thema sind genial, vielleicht sind der Themen etwas zu viel.

Gerd Dudenhöffer - Foto PRHeinz Becker erzählt von „Heiner Geißler, der damals gesagt hat ‚Wollt ihr den totalen Krieg?‘“ um sofort zu relativieren: „Naja, 1943 hat auch niemand erwartet, dass der Goebbels schlichtet.“ Mit Sprichwörtern hat er auch seine liebe Not, sagt er doch zu seinem Sohn: „Das sind immer noch meine Füße unter dem Tisch!“ Man versteht, was er ausdrücken will und kann ihm gerade noch folgen. Aber zu Mitleid mit der Bühnenfigur reicht es nicht. Dafür ist Heinz Becker zu weit weg von der politischen Korrektheit und viel zu nah am Stammtischgeschwätz.

Gut, er hat auch seine liberalen Momente, wenn er etwa fragt: „Seebestattungen für Blinde? – Warum nicht!“ Oder wenn er sich als Befürworter der Sterbehilfe zeigt – allerdings soll ihm seine Ehefrau vorher noch erklären, wie die Waschmaschine und der Wäschetrockner zu bedienen sind! Hier wird klar, dass ein Pseudo-Liberaler spricht. So einer gestattet Freiheit nur, wenn sie ihm nützt und gleichzeitig in sein Weltbild passt. Schnell brechen wieder die kleinbürgerlichen Ängste durch, wenn sich Captain Iglu und Uncle Ben’s wegen des Klimawandels in Europa treffen.

Trocken sei der Witz, böse und gut. Heinz Becker merkt seine eigenen Pointen gar nicht und das Publikum freut sich, schlauer zu sein als die Bühnenfigur. Wer keinen Stammtisch besucht und trotzdem wissen will, wie es da zugeht, sollte in die „Sackgasse“ kommen. Und philosophisch wird es auch manchmal, wenn Heinz Becker seinen Vater zitiert: „Wenn Dir einer dumm kommt, kann er auch dumm gehen!“

Gilles Chevalier © 2011 BonMot-Berlin

Nächste Termine:
Di, 6.12. + Mi, 7.12.2011: Berlin, Wühlmäuse, Ticket-Telefon: 030-30 67 30 11
Fr, 9.12. + Sa, 10.12.2011: Frankfurt a.M., Alte Oper
Mi, 14.12.2011: Trier, Europahalle

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www.gerd-dudenhoeffer.de

Kategorien:Kabarett, Kritik

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