LEIPZIG (jf) – Der Leipziger Meigl Hoffmann hat ein Händchen für Figuren und Themen. Er stand (und steht) als Feuerwehrmann, Otto Reutter oder Taxifahrer auf der Kabarettbühne, verhandelt Tages-Themen, die auch morgen noch bewegen. Wer ihn mal mittags in der Stadt trifft, weiß, dass ihn immer schon eine neue Idee bewegt.
Weil er auch einen Sinn für Orte in seiner Heimatstadt hat, führt er gemeinsam mit dem Pianisten Karsten Wolf inzwischen ein eigenes Haus: Das Central Kabarett direkt in der Touristen-Kneipenmeile Barfußgässchen. Ein schöner Saal. Aber in einem Saal spielen kann ja wohl jeder.
Am 3. März feierte Hoffmanns neues Programm in der Pathologie Premiere.
Also nicht richtig in der Pathologie, sondern im dazu gehörigen Hörsaal. Doch das reicht schon. Es ist noch eines jener Auditorien, die aus dem Stand so steil ansteigen, dass man die letzte Reihe eher über eine Leiter erreicht als über eine Treppe. Und dass fast jeder im Publikum von sehr weit oben auf den Solisten herabschaut.
“Vom Witz getroffen” heißt das neue Programm, und im Untertitel: “Pathologen machen immer ihren Schnitt”. Ein typischer Hoffmann-Titel: dem Wortwitz verpflichtet. Der Rahmen passt: Kellner Peter Paulsen wacht nach einem Saufgelage im Kühlraum der Pathologie wieder auf, quasi nackt, mit Zettel am Zeh. Es ist Pfingsten, niemand im Haus. Also erzählt er aus seinem Leben und dem der Zuschauer. Es geht um Ehe-Alltag, Zustände in Krankenhäusern (alle drei Tage Bettpfannenwechsel), Gesellschaftspolitisches und all die Fragen an das Leben und den Tod (Käpt’n Iglu wird nicht beerdigt sondern paniert) – kulminierend in dieser: “Woher weiß die Wanderdüne den Weg?”
Es ist ein Auf-und-Ab-Springen des sich selbst verpflichteten Witzes vor ernsten Hintergründen. Wie tot sind wir inzwischen? Und wo bewegt sich noch etwas? Sein oder Nichtsein? – hier natürlich „Schwein oder nicht Schwein?“
Das könnte ab und an tiefer ins Fleisch schneiden, wenn Hoffmann etwa Opernregissseur Peter Konwitschny aufs Korn nimmt und dessen „Csárdásfürstin“, die vor über zehn Jahren an der Dresdner Semperoper für einen Eklat sorgte. Inzwischen bewegt eher sein eklatantes Scheitern an der Oper Leipzig und eine darüber wie auch über den scheidenden Schauspielintendanten Sebastian Hartmann (“Der Intendant springt vom Dach”) hinaus zu befragende Kulturpolitik.
Aber es gibt reichlich witzige Details wie den auf seinen Handrücken aschenden Helmut Schmidt, der die Asche flugs schnupft, schöne Lieder und einen sehr präsenten, druckvollen Meigl Hoffmann, der sich nicht neu erfinden muss, um stille Momente zuzulassen, bis nach einem zunächst nicht ganz so starken zweiten Teil der Schluss beeindruckt. Und dadurch versöhnt, nicht versöhnlich zu sein. (Co-Regie: Peter Wilczynski)
Die Musik (Kompositionen oder Arrangements: Karsten Wolf) muss in diesem Rahmen vom Band kommen. Auch die Möglichkeiten für aufwendige Lichtregie und Kulissen sind eingeschränkt. So oder so ist das Leben, und so ist das in der Pathologie: Das letzte Hemd hat keine Taschen. Laken, Bademantel, Mütze, Rollstuhl oder Stock genügen als Requisiten.
Seit über 20 Jahren steht Hoffmann in wechselnden Konstellationen und Ensembles auf der Bühne, doch er ist der geborene Alleinunterhalter. Leider war die Pathologie als Aufführungsort bislang nur ein Extra für Voraufführungen und die Premiere. Aber der Chef der benachbarten Anatomie soll schon Interesse signalisiert haben. Steile Idee!
Janina Fleischer, 4.3.2012 © 2012 BonMoT-Berlin
Fotos: Wolfgang Zeyen
die nächsten Termine:
Di, 13. und Mi, 14. März 2012, sowie 27. bis 31. März: Leipzig, Central Kabarett, Kartentelefon: 0341-52 90 30 52

Lieber ins Kino oder mit 2 Promille anschauen, anderenfalls ärgert man sicher die 23€ pro Person. Alte Witze schon 100 mal gehört gekoppelt mit aktuellen Themen die auch schon durchgekaut sind. Die Lieder die zum Lückenbüßen gedacht sind weil kein Text mehr da war verführt zum einschlafen.