Robert Griess: Revolte! – Kritik

Robert Griess - Foto PRHoch die InterNEIDtionale und die Mißgunst!

BERLIN (gc) – Zweischneidig, dieser Abend im Berliner Mehringhoftheater. Ist das jetzt politisches Rollenspiel oder gebremstes Kabarett? Beides bietet das Programm „Revolte!“ von Robert Griess an. Sauber trennt er die Programmhälften in ein Rollenspiel und einen Kabarett-Block. Da schlägt er dann vor, Windräder mit Managern von Rating-Agenturen und anderen Elite-Versagern zu schmücken. Aber weil er „gegen Gewalt ist, soll man sie nur dranhängen, nicht aufhängen!“ Oder er sagt mißglückte Zitate von Politikern auf und erzählt politische Witze. Aha!

Im Bereich Rollenspiel dann die drei Väter vom Spielplatz: Herr Schober, Herr Stapper und Herr Griess. Herr Schober ist links-liberal und war früher politisch aktiv. Herr Griess ist Kabarettist und Herr Stapper „echter kölscher Assi-Adel“. Dieses Zerrbild eines Hartz-IV-Empfängers ist vor allem neidisch auf alle, denen es besser geht als ihm selbst. Besondere Verachtung gilt dabei den „Mittelstandsweibern, die im Bio-Markt einkaufen.“

Herrn Stapper gehört das Herz von Robert Griess und dieses Programm. Im breitesten kölschen Dialekt stolpert und haspelt er sich bisweilen durch den mäßig lustigen Text. Stapper will eine Revolte anzetteln, indem er mit seinem Geländewagen der Marke Hummer (Verbrauch 16 – 20 Liter auf 100 km) den Eingang des Bioladens blockiert. So kann er sich über die eingesperrten Kunden freuen.

Doch Herr Stapper wird zunehmend anstrengend: Seine Primitivität und sein einziges Ziel, zu ärgern, verstören manche Zuschauer im Mehringhof-Theater. Herr Stapper entwickelt sich auch nicht weiter, er verharrt in seiner Dumpfheit. Seine Wut führt zu nichts, bleibt unkanalisiert und verpufft. Einzig bei der Hasspredigt im Edel-Restaurant des „Veedels“ – also des Viertels -, Stichwort Gentrifizierung, versprüht die Figur noch einen Hauch von Originalität.

Sieht so Revolte aus? Eher ist es das Psychogramm eines ewigen Neiders und Verlierers. Aber die Gefahr, dass Herr Stapper politisch aktiv wird und seine Wut auf diese Weise auslebt, ist beim eingeschränkten Intellekt der Figur nicht zu erwarten. Eher würde er an Autos zündeln. Ein „frustrierter Autozündler“ ist dieser Tage in Berlin zu einer hohen Haftstrafe verurteilt worden. Diese Geschichte eins zu eins in das Bühnenprogramm zu übernehmen – nein, das kann Robert Griess niemand zutrauen!

Gilles Chevalier © 2012 BonMot-Berlin

Weitere Termine:
Sa, 7. und So, 8. April 2012: Berlin, Mehringhof-Theater, Kartentelefon: 030-691 50 99

Mi, 18. April 2012: Wetzlar, Franzis
Fr, 20. April 2012: Husum, Speicher Husum
Sa, 21. April 2012: Oldenburg, Kulturzentrum

Alle weiteren Termine und Infos:

www.robertgriess.de

verwandter Artikel auf www.liveundlustig.de :
Schlachtplatte 2010 – die Jahresendabrechnung: Achim Konejung, Robert Griess, Wolfgang Nitschke und Christoph Sieber – Kritik (19.1.2011)

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