HG Butzko: Verjubelt – Kritik

butzko verjubeltWie ein Crack den Crash sieht – Erkenntnisgewinn!

BERLIN (gc) – „Wenn Wissen Macht ist, dann freut Euch schon mal auf zwei Stunden Ermächtigungskabarett“, sagt HG Butzko zu Beginn des Abends. Dabei fixiert er sein Publikum und hängt mit seinem Oberkörper zu einem guten Teil über einem Bistrotisch. Es herrscht ein wenig Kneipenatmosphäre auf der Bühne des Mehringhof-Theaters. Das passt gut, denn HG Butzko ist ein Freund lockerer Erklärungen.

In seinem Programm „Verjubelt“ will er aber nicht die ganze Welt erklären, sondern nur die Finanzkrisen: die von 2008, ausgelöst durch Immobilienspekulationen in den USA, und die von 2011, ausgelöst durch die zu hohe Verschuldung ganzer Staaten. Was auf den ersten Blick nach einer trockenen Veranstaltung klingt, ist in Wirklichkeit ein blitzgescheiter und erhellender Abend. Denn Butzko doziert nicht über die Krise, er seziert sie und beschreibt die folgenreichen Denkfehler mit einfachen Worten.

Denn wer davon ausgeht, dass der Wert seiner Immobilie beständig steigt, kann schnell auf die Nase fallen. Vor allem, wenn er mit dieser angenommenen Wertsteigerung seine Hypothek finanziert. Und wenn Banken anfangen, die Immobilienkredite dieser Häuslebauer untereinander zu handeln, bewegen sie sich auf dünnem Eis. Diesen Kredithandel der Banken untereinander mit einer Pokerrunde in einem dunklen Hinterzimmer zu vergleichen, ist naheliegend und ausgesprochen plastisch.

HG Butzko Verjubelt - Foto PRButzko fügt nicht Einzelnes zu einem Ganzen zusammen. Er bricht aus dem ganzen Wirrwarr einzelne Abläufe oder Begriffe heraus, um sie anschaulich zu erklären. Den Euro-Rettungsschirm zum Beispiel. Nach Butzko dient er nicht dazu, vor Schulden zu schützen, so wie ein Regenschirm vor Regen. Stattdessen sollen die Schulden einzelner Staaten in den Schirm gelegt werden, um dann gemeinsam von allen Staaten des Euro-Rettungsschirms getragen zu werden. Kunststück, dass bereits hoch verschuldete Staaten durch diese zusätzlichen Schulden schnell an die Grenze der finanziellen Leistungsfähigkeit kommen. Hier schreiten dann die Ratingagenturen ein, deren Bezeichnung, so Butzko, eher vom deutschen Verb „raten“, als vom englischen „to rate“ stammt.

Der Künstler fordert vom Publikum volle Aufmerksamkeit. Insbesondere im ersten Teil des Abends kommt man mit dem Wundern über das Beschriebene kaum nach. Das ist Erkenntnisgewinn im Minutentakt! Dabei wird der Abend nie trocken oder theoretisch: Ständig findet Butzko einen raffinierten Dreh. So wird zum Beispiel aus den Kreditvergabe-Kriterien der Banken „die unerträgliche Seichtigkeit des Leihens“.

Manchmal spielt Butzko ein wenig zu lange auf einzelne Pointen hin, die besonders erhellend sind. Aber das kann den Abend nicht trüben. Die unkonventionelle, nahezu volkstümliche Betrachtung des komplexen Themas Wirtschaft führt zu nachhaltigem Erkenntnisgewinn. Merke: Die Bank gewinnt immer – und der Zuschauer bei diesem rasanten Programm natürlich auch. Mit herzlichem Applaus und vereinzelten Jubelrufen dankt das Publikum, bevor es für weitere wirtschaftspolitische Betrachtungen in die nächste Wirtschaft zieht.

Gilles Chevalier © 2012 BonMoT-Berlin

Termine:
noch Fr, 18. + Sa, 19. Mai 2012: Berlin, Mehringhof-Theater, Tel. 030-691 50 99

Fr, 1. bis So, 3. Juni .2012: Dinslaken, Dachstudio, Tickets: 02064 – 66 222
Fr, 8. Juni 2012: Nürnberg, BR-Studio Franken, TV-Aufzeichnung „Kabarett aus Franken“, Tickets: 0911 – 6550-01
So, 10. Juni 2012: Heidelberg, Opernzelt, Aufzeichnung: SWR – Zungenschlag, Tickets: 06221 – 58 20000

www.hgbutzko.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..