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Willkommen in der Weihnachtshölle – Premierenkritik Malediva

Malediva Tahiti 01 – Foto © Jan WirdeierMalediva erleben „Schnee auf Tahiti“

BERLIN (as) – Für die einen ist’s das Fest der Liebe, für eine wachsende Zahl anderer Mitmenschen eine nicht enden wollende Tortur, die im Oktober mit den ersten Dominosteinen im Supermarktregal beginnt und erst mit Silvester wieder endet.

Leidtragende des Weihnachtstrubels finden bereits seit einigen Jahren Trost, Zuspruch und Verständnis im „Lebkuchen“-Programm von Malediva. Der Besuch in der Bar jeder Vernunft ist für Gleichgesinnte längst zu einem der Christmette ebenbürtigen Ritual geworden.

Lästern über geschmacklose Geschenke und das Leiden an der Zwangsbeglückung durch unliebsame Verwandte bilden den stabilen Grundkonsens, auf den sich das Berliner Chanson-Duo mit seinem Publikum einschwört. „Diese drei Tage sind die schlimmsten des Jahres“ singen Tetta Müller und Lo Malinke, und ernten für diese Erkenntnis im Tipi zustimmende Lacher. Denn dorthin, in das große Schwesterzelt der Bar jeder Vernunft, haben Malediva in diesem Jahr ihr Weihnachts-Bashing verlagert und zu einer neuen, üppigeren Show ausgebaut. Hauskomponist und Pianist Florian Ludewig wird musikalisch nun vom Bassisten und Gitarristen Daniel Zenke unterstützt, und die Bühne wurde in ein eindrucksvolles Flughafen-Terminal verwandelt.

Malediva haben also die Koffer gepackt. „Wir verreisen nicht, wir sind auf der Flucht“ singen sie und freuen sich darauf, Weihnachten nicht leidend im Kreise der Lieben, sondern allein zu zweit und weit, weit weg auf Tahiti zu verbringen.

Doch so schnell heben die Lametta-Flüchtlinge dann doch nicht ab. In Schönefeld wird immer noch gebaut, und in Tegel streiken die Stewardessen. Zeit genug, um über den müheseligen Arbeitsalltag der Flugbegleiterinnen zu singen, und sich dem immerwährenden Grundthema des Bühnenpaares zu widmen: ihrer Beziehung. Im Laufe der mittlerweile zehn Programme hat sich der frotzelnde Ton, mit dem sich Malinke und Müller ihre liebenswerten Gemeinheiten um die Ohren hauen, nicht merklich geändert, nur die Rollen in dieser Paaraufstellung haben sich immer wieder mal verschoben.

Malediva Tahiti 02 – Foto © Jan WirdeierAktuell hat Tetta die Oberhand, behält das letzte Wort und zumeist die schlagfertigere Schlusspointe. Lo hingegen drückt kräftig auf die schrille Tube und gibt das kleine Dummchen, das, in die Enge getrieben, nur mit heftigen Gesten und einer sich überschlagenden Stimme zu kontern weiß.

Nach der Pause sind Malediva zwar auf Tahiti gelandet, doch viel weiter als bis zur Empfangshalle des Flughafens von Papeete schaffen sie es nicht. Zeit und Gelegenheit, Bastrock und Blumenkränze umzuwerfen und ein Lied über den „Weihnachtsmarkt in Tahinemahinemalenaossuntomaputo“ anzustimmen, bieten sich erfreulicherweise doch.

„Schnee auf Tahiti“, das muss man etwas bedauernd festhalten, hat nicht die schonungslose Selbsterkundung der letzten beiden Programme „Die fetten Jahre“ (2009) und „PyjamaParty!“ (2011). Der Geist der Weihnacht ist offensichtlich nie ganz auszutreiben, mag man noch so sehr über Bockwürstchen und Kartoffelsalat ätzen und Selbstgebasteltes verhöhnen. Selbst erklärte Weihnachtshasser sind vor Rückfällen nicht gefeit.

Zuletzt gibt’s tatsächlich Schnee und ganz traditionelles, heimeliges Weihnachtsliedgut – auf Spanisch immerhin und so rhythmisch wie man’s unter deutschen Christbäumen wohl nur selten zu hören bekommt. Die schlimmsten drei Tage des Jahres können nun also gerne kommen. Die vorbereitenden Gruppentherapie-Abende finden im Tipi noch bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag statt. Für die Heimversorgung gibt es die neuen Songs aus „Schnee auf Tahiti“ in Studioqualität auf der gleichnamigen CD (Roof Music).

Axel Schock © 2012 BonMoT-Berlin

CD Malediva Schnee auf TahitiTermine:

Noch bis zum 26. Dezember 2012: Berlin, Tipi am Kanzleramt,
(außer montags und außer 29. + 30.11. sowie 8., 11., 13. und 14.12.): Di-Sa 20 Uhr, So 19 Uhr,

Kartentelefon: 030-39 06 65 50

www.tipi-am-kanzleramt.de www.malediva.de

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