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Mit Pigor durch das Jahr 2013 – CD-Kritik

CD Pigor Jahr 2013von Axel Schock

Spätestens, wenn die Kerzen auf dem Adventskranz heruntergebrannt sind und der Sekt kalt gestellt wird, überfluten uns sämtliche Medien mit den obligatorischen Jahresrück-blicken. Auch Kabarettisten halten sich da nicht zurück, bestes und sehr erfolgreiches Beispiel hierfür ist in Berlin der bereits traditionelle kabarettistische Jahresrückblick mit dem Jahresendzeitteam, bestehend aus Bov Bjerg, Horst Evers, Hannes Heesch und Manfred Maurenbrecher sowie Christoph Jungmann als Angela Merkel.

Thomas Pigor wiederum legt seine Essenz des Jahres 2013 wie schon in den beiden Vorjahren kurzerhand als CD vor – nämlich seine gesammelten „Chansons des Monats“, die er seit 2011 für den SWR, den Deutschlandfunk und den WDR produziert. Für Nicht-Radiohörer sind sie als „Home-Studio-Clips“ auch auf Youtube zu finden.

Erstes Highlight des Jahres 2013 war für Pigor das Jubiläum der deutsch-französischen Freundschaft, und damit beginnt die Jahres-CD musikalisch mit frankophonem Elektropop und reichlich Kunst-Französisch. Es folgt, oft nur in Form von Stichworten in den einzelnen Chansons verpackt, ein Schnelldurchlauf der bewegenden Themen des zurückliegenden Jahres: Vom GEMA-Streit und Rainer Brüderles Oberweiten-Fauxpas bis zum lähmend-langweiligen Bundestagswahlkampf („Baby will nicht wählen“).

Zur US-Präsidentschaftswahl hat Pigor mit „The Next President“ gleich zwei Versionen eines Chansons eingesungen (mal gewinnt Mitt Romney, mal Barack Obama). Und mit „Baut den Palast der Republik wieder auf“ drischt er im Stakkato gegen den Schlossneubau in Berlin ein.

Auch die Steuersünden eines bayerischen Wurstfabrikanten und Fußballmanagers dürfen nicht fehlen. Zu diesem schlagzeilenkräftigen Skandal hat Pigor die griffige Hookline „Sag doch mal was Schönes/ über Uli Hoeneß“ gedichtet – und dann wusste er nicht mehr so richtig weiter. Nun stammelt sich Pigor gute drei Minuten verlegen durchs Chanson: „Klar, muss man auch differenziert sehen, ja… Ähm… Öhm, und die Schweiz andererseits, ist nicht so weit weg, wie die Kaimaninseln oder so.“

Die zwei besten der zwölf Lieder hat Pigor auch gleich in sein aktuelles Bühnenprogramm „Volumen 8“ übernommen. In „Sie hassen uns wieder“ rekapituliert Thomas Pigor den schweren Weg der Deutschen, den durch die Nazis verursachten Imageschaden auszubügeln, um nunmehr als „Prinzipienreiter“ und „Großsiegelbewahrer“ der Euro-Krise quer durch Europa verteufelt zu werden. Bajuwarisch korrekt mit Blasmusiktönen lässt er uns in „Hö Hi Ho“ an seinem ausgeklügelten Trick teilhaben, wie er die NSA zu überlisten gedenkt. Womit wir beim Musikalischen wären. Wer in den kleingedruckten Credits etwas genauer hinsieht, wird überrascht sein.

Pigors ständiger Bühnenpartner am Flügel mischt zwar auch reichlich mit bei diesen Songs, komponiert aber hat sie tatsächlich Pigor weitgehend selbst, getextet sowieso. Und aufgenommen wurden sie – wie in den Youtube-Videos schön zu sehen – in Pigors kleinem Heimstudio, allerdings mit reichlich Gastmusikern und entsprechender Vielfalt in den Arrangements. Vom Bossa Nova über die schleppende Ballade bis hin zu einem an Roy Black erinnernden Schlager ist alles dabei. Wollen wir hoffen, dass weder Pigor an dieser Form der kabarettistischen Schlaglichts noch die produzierenden Sender an diesem Projekt die Lust verlieren und es auch 2014 allmonatlich wieder solche Chansons zum Zeitgeschehen geben wird.

Thomas Pigor „Mit Pigor durch das Jahr 2013“. (roofmusic), Preis € 17,- inkl. Versand
Die CD kann auf Pigors Homepage hier direkt bestellt werden.

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