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Nichts für fromme Betschwestern: Burlesque queer – Kritik

Briefs Captain KiddDie australische Varieté-Truppe „Briefs“ präsentiert im Tipi nackte Tatsachen

von Axel Schock

BERLIN – Diese Jungs lassen sich nicht lange bitten. Schon am Ende der ersten Ensemble-Nummer, bei der sie die Kunst des Federfächer-Tanzes zur Perfektion treiben, haben sie sich ihrer prächtigen Kostüme auch schon entledigt.

Dass sich die australische Truppe ausgerechnet „Briefs“ (zu deutsch: Schlüpfer) nennt, kommt nicht von ungefähr. Die halbe Zeit dieses fulminant-unterhaltsamen Abends haben die Herren nämlich nicht viel mehr auf dem Leib – abgesehen von Lidschatten, Brusthaar, Pumps, Perücken oder manch anderer schräger Kopfbedeckung. Und bisweilen reicht es dann auch nicht einmal mehr zu einer richtigen Unterhose.

In ihrer Vaudeville-Show „The Second Coming“, mit der sie nun erstmals in Berlin gastieren, wirbeln die sechs Allround-Entertainer nicht nur wild, bunt und grell über die Bühne und den in den Zuschauerraum hineingebauten Laufsteg. Bunt, grell und wild ist auch die Mischung, mit der sie die eigentlich klassischen Varieté-Zutaten neu präsentieren und interpretieren.

BriefsJonglage, Zauberkunst, Luft- und Körperakrobatik wird hier auf einem hohen Standard, aber verpackt in skurrile Comedy-Nummern und in sexy Darbietungsformen offeriert. „The Second Coming“ ist Drag Show, ein bisschen Underground, Burlesque und jede Menge Grenz- und Geschlechterüberschreitung.

Wo die Chippendales bestenfalls gepflegt normierte „Playgirl“-Idealkörper zur Schau stellen, unterlaufen Briefs in Federn, Pailletten und Satin die Männlichkeitsbilder auf geradezu subversive und originelle Art. Ihre durchtrainierten Körper sind mal glattrasiert, mal tätowiert oder behaart, die Artisten/ Tänzer/ Peformer mal ganzer Kerl, geschlechtlich undefiniert, Fummeltrine, Laufstegmodel oder Trash-Ikone – und manchmal sogar ganz und gar tierisch. Dann hecheln sie als Hunde neben ihren grotesk aufgebrezelten Frauchen und führen bei einem Wettbewerb ihre Tricks vor, springen durch Reifen und überbieten sich mit ihren Kunststückchen, bis die ganze Sache ordentlich aus dem Ruder läuft.

Es wird in einem überdimensionalen Champusglas gebadet, mit Hula-Hoop-Reifen herumgewirbelt, und Steinzeit-Männer jonglieren mit Knochen. „The Second Coming“ ist definitiv nichts für prüde Betschwestern, gleich welchen Geschlechts und welcher sexuellen Orientierungen, aber auf jeden Fall für Menschen, die sich mit energiegeladenem und rasantem Entertainment jenseits der festgefahrenen (europäischen) Wege unterhalten lassen wollen.

© 2014 BonMoT-Berlin
Fotos: © Sandra Basenach (1), XAMAX (2,3)

nächste Termine:
noch bis 28. März 2014 im Tipi am Kanzleramt
Vorstellungen: Mo-Sa 20 Uhr, So 19 Uhr,
Karten von 29,50 bis 39,50 Euro,
Kartentelefon: 030-390 66 550
Karten direkt online bestellen HIER

Homepage tipi am Kanzleramt – Homepage Briefsboys

Briefs

Captain Kidd – Foto © Sandra Basenach
Evil Hate Monkey – Foto © XAMAX
Briefs – Foto © XAMAX

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