Startseite > Kabarett, Portrait > Vom Pfeffern und Gemahlen-Werden

Vom Pfeffern und Gemahlen-Werden

Pfeffermühle Leipzig60 Jahre Leipziger Pfeffermühle

von Harald Pfeifer

Am 22. März 1954 stellten junge Leipziger Schauspieler im Weißen Saal am ZOO ihr erstes Kabarett-Programm vor. Es hatte keinen Namen, wohl aber ihr Kabarett. Leipziger Pfeffermühle. Dass es schon einmal eine Pfeffermühle gegeben hatte unter der Leitung von Erika Mann, wussten sie nicht. Mehr ist zum Start eines der berühmtesten Nachkriegskabaretts in Deutschland nicht zu sagen. Nur eben noch, dass der Enthusiasmus groß war.

Wenn man den Werdegang der Leipziger Pfeffermühle beschreiben will, muss „vom Pfeffern und Gemahlen-Werden“ die Rede sein, vom politischen Angriff und der Maßreglung. Junge Spötter standen selbstgerechten Funktionären der SED gegenüber und Nutznießer war das Publikum.

Große Prominenz hatte beim Leipziger Kabarett ihren Karrierestart. Erich Loest und Gerhard Zwerenz gehörten zu den Autoren, auf der Bühne standen Helga Hahnemann, Ellen Tiedtke und Manfred Uhlig und bald war auch die Stammbesetzung beisammen. Ursula Schmitter, Siegfried Mahler, Hanskarl Hoerning, Manfred Stephan und Günter Schwarz.

Die ersten Jahre waren turbulent. Nach zwei Jahren wurde das erste Programm über einen von Parteibütteln inszenierten Eklat kurzer Hand verboten. Leiter der Pfeffermühle Conrad Reinhold entging am Ende nur durch die Flucht nach dem Westen einer Verhaftung. Acht Jahre später passierte das Gleiche, und es traf Edgar Külow, der durch seine Texte unverblümt die Kulturpolitik der DDR kommentierte.

Danach war erst einmal Ruhe, doch dann gelangten die Pfeffermüller erneut zu satirischer Meisterschaft. Ihre Stärke war das Komödiantische in Anlehnung an das Volkstheater. Wieder musste ein Kabarett-Chef gehen. Dieses mal traf es Horst Günther, der immerhin 13 Jahre ausgehalten hatte und schließlich prägte Rainer Otto als neuer Chef den Stil der Pfeffermühle in den 80er Jahren. Er beherrschte „die Kunst, nichts gesagt zu haben“. Sein Meisterstück war ein Programm, in dem er den real existierenden Sozialismus an den Maximen vom Alten Fritzen gemessen hatte.

Die 90er Jahre waren dann geprägt vom personellen Wandel wie auch von allgemeiner Aufbruchstimmung und dem rasanten gesellschaftlichen Wandel. Da gab es unter häufig wechselnder Leitung wirklich gute Programme, die vor allem das gestiegene Unterhaltungsbedürfnis des Publikums berücksichtigten. Aber die Suche und die Standortbestimmung des Ensembles kam zu keinem Abschluss.

Heiderose Seifert, Dieter Richter und Burkhard Damrau bildeten die Stammbesetzung und die Verjüngung des Ensembles stand aus. Die Programme waren allgemein nicht schlecht, somit aber auch nicht gut. Dann hatten sie ihre Spielstätte im Thomaskirchhof verloren, all das hatte dem Ensemble unter Dieter Richter nicht gut getan.

Nun ist seit drei Jahren die neue Spielstätte in der Leipziger Innenstadt bezogen. Werten kann man das als äußeres Zeichen für ein erneutes Kräftebündeln. Zu wünschen bleibt viel Erfolg.

© 2014 BonMoT-Berlin

In der Festwoche vom 24. bis zum 28. März 2014 wird ein Jubiläumsprogramm mit allen Pfeffermüllern gespielt – Kartentelefon 0341-960 31 96

Homepage Leipziger Pfeffermühle

Kategorien:Kabarett, Portrait
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: