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Es lebe die unabhängige Presse! – Kolumne von HG.Butzko

HG Butzko - Kolumne - design c.wankaLiebe Freunde des politischen Kabaretts,

angesichts der medialen Propagandaschlacht rund um den Ukraine-Russlandkonflikt, gibts in diesem Lätta mal einen direkten Erfahrungsbericht über den Zustand unserer deutschen Presselandschaft.

Vor kurzem gab ich nämlich dem Ingolstädter Donaukurier ein Interview, das praktischerweise schriftlich, also per

Email durchgeführt wurde. Sowas hat den Vorteil, dass der Journalist nicht vom Aufnahmegerät abschreiben oder versuchen muss, seine krakeligen Notizen zu entziffern. Es reicht die Copy&Paste-Funktion und fertig ist der Artikel.

Und dann wurd‘s interessant. Denn z. B. werde ich in dem Artikel zitiert mit der Formulierung: „wenn Eckart von Hirschhausen Gesundheitsminister wird, sollten wir die Sache mit den Barrikaden wirklich ernsthaft ins Auge fassen.“

Und da war ich doch sehr erstaunt. Denn tatsächlich antwortete ich: „Wenn Eckart von Hirschhausen Gesundheitsminister wird, sollten wir das mit den Barrikaden vielleicht doch noch mal schleunigst in Erwägung ziehen.“

Da man davon ausgehen darf, dass jemand, der mit Schreiben Geld verdient, sehr wohl den Unterschied kennt zwischen: „vielleicht in Erwägung ziehen“ und „ernsthaft ins Auge fassen“, stellt sich doch die Frage, wie kommt eigentlich der Donaukurier auf die Idee, an meiner Antwort was zu ändern? Wenn Eckart von Hirschhausen das liest, der lädt mich doch nie in seine Talkshow ein. Ist es das, was man damit bezwecken will? Zwist säen zwischen zwei so harmonisch harmonierenden Harmonikern?

Aber es geht sogar noch doller. So werde ich weiter unten im Artikel zitiert mit den Worten: „Lachen nicht als Mittel der Ablenkung, sondern der Aufklärung, verstehen Sie? Dieter Hildebrandt hat sich noch kurz vor seinem Tod mein Programm angeschaut und nachher gesagt, es sei so nachhaltig, dass es ihn noch tagelang beschäftigt hat. Das hat mich sehr gefreut und sehr geehrt.“

Tatsächlich schrieb ich aber:

„Lachen nicht als Mittel der Ablenkung, sondern der Aufklärung. Dieter Hildebrandt war in meinem Programm und sagte anschließend, es sei so nachhaltig, dass es ihn noch Tage drauf beschäftigt hat. Ich glaube, damit ist alles gesagt.“

Also ohne „verstehen Sie“, ohne „kurz vor seinem Tod“ und ohne: „Das hat mich sehr gefreut und sehr geehrt.“ Wenn etwas in 48 Lebensjahren noch nie mein Vokabular war, dann „verstehen Sie“. Das Treffen mit Hildebrandt war auch nicht „kurz vor seinem Tod“. Und ob ich mich „gefreut und geehrt“ gefühlt habe, geht in diesem Zusammenhang niemanden etwas an. Ich weiß schon sehr wohl, weshalb ich bewusst: „Ich glaube, damit ist alles gesagt.“ formuliert habe.

Warum also in drei Teufelsnamen bittet mich der Donaukurier um MEINE Aussagen, nur, um sich dann EIGENE aus den Fingern zu saugen? Warum? Warum? Warum? Unter dem Artikel steht: „Die Fragen stellte Karl Leitner.“ Das ist für gewöhnlich ein sehr netter und kompetenter Rezensent. Was unter dem Artikel aber fehlt, ist der Satz, wer die Antworten schrieb.

Doch damit nicht genug.

Auch in der Augsburger Allgemeinen Zeitung erschien vor einiger Zeit ein Artikel, worin eine Reporterin namens Miriam Zissler behauptet, ich hätte wegen des Umgangstones die Zusammenarbeit mit der Kresslesmühle abgebrochen. Und das ist nun etwas, das ich nicht nur der Augsburger Allgemeinen gegenüber so nicht geäußert habe, und zwar weder schriftlich noch mündlich, ich habe es auch sonst niemand anderem gegenüber geäußert. Es ist schlicht und einfach erfunden, eine Märchenstunde. Ich weiß nicht, wie Frau Zissler auf diese Behauptung kommen kann, aber eine einfache Nachfrage bei mir hätte die Wahrheit ans Licht gebracht. Allerdings hätte das was mit Journalismus zu tun gehabt, und so weit wollte man bei der Augsburger Allgemeinen anscheinend nicht gehen.

Aber beide Artikel zusammen ließen plötzlich einen furchtbaren Verdacht in mir aufkeimen. „Kampagne“, schrie es in mir. „Kampagne. Die führen was im Schilde. Aber was? Die wollen mich schlecht da stehen lassen. Aber wozu?“ Und dann fiel es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen, der Boden tat sich auf, und es trompetete herunter wie ein Chor von 40 Posaunen. Und deswegen sehe ich mich veranlasst, hiermit folgende Erklärung abzugeben:

Liebe Bürgerinnen und Bürger im Raum Ingolstadt-Augsburg,
ich hege keine Pläne, Eure Region zu annektieren oder mit einem Referendum vom Rest von Bayern abzuspalten. Ich habe auch nicht vor, bei Euch den Rubel als Währung einzuführen. Eure Armeestützpunkte gehen mir am Arsch vorbei und Eure Amtssprache interessiert mich einen Scheissdreck.

ES LEBE DIE UNABHÄNGIGE PRESSE ALS VIERTE STAATSGEWALT!

ES LEBE DIE WAHRHEITSGETREUE WIEDERGABE VON FAKTEN UND TATSACHEN!

ES LEBE DIE OBJEKTIVE BERICHTERSTATTUNG ALS VORAUSSETZUNG FÜR EINE FREIE MEINUNGSBILDUNG IN EINER DEMOKRATIE!

HOST MI? DRUSCHBA! NASTROWJE!

So, das musste mal gesagt werden.

 

In diesem Sinne wünsche ich uns:
LOVE & PEACE & EGGS TO SEA
von Herzen herzlichst Euer
Herz-Günter Butzko

 

PS: Wer die beiden Artikel lesen will, kann das übrigens hier tun:

DonaukurierAugsburger Allgemeine

© HG.Butzko/ BonMoT-Berlin

Wer diesen Letter kommentieren will, tut das entweder HIER auf meinem Blog oder HIER bei Facebook oder nutzt die Kommentarfunktion unten.

Meinen jüngsten TV-Auftritt bei bei der Verleihung des deutschen Kleinkunstpreises 2014 vom 9. März gibt es übrigens zum Nachgucken: HIER

die nächsten Live-Termine auf der Homepage von HG.ButzkoButzkos Kolumnen auf liveundlustig

Kategorien:Kabarett, Schräges
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