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Prädikat „Premium Obsession“ – Geschichten aus tausend Abenden – Kritik Horst Evers

Horst Evers: „1000“

von Carlo Wanka und Beate Moeller

BERLIN – Rekord: 1000 Auftritte allein im Kreuzberger Mehringhof-Theater! Johlender Applaus schon beim Auftritt. Das ist ein Grund zu feiern, und der Künstler geheimnisst, dass der 1000. noch in dieser Woche erreicht sein werde. Ob mit dem Mittwochsfazit, dem Jahresrückblicks-Team oder solo als Horst Evers. Für ihn kein Anlass, ein profanes ‚Best Of‘ zu bieten, sondern extra für ein Bühnenerlebnis der ganz besonderen Art hat er gründlich im Archiv gewühlt. Wenn da nur nicht gerade dieser Orkan Xavier gewesen wäre. Da erlebt ein umtriebiger Geschichtenerzähler schließlich so einiges.

Wo andere sich beschweren, da fängt es bei Evers an, lustig zu werden. Verspätung oder Totalausfall des Fahrbetriebs sieht er positiv, denn nirgends bekommt man so viel gratis dazu – jedenfalls an Fahrzeit, wie bei der Deutschen Bahn. Und da er ja nicht nur 990 + x-Mal im heute ausverkauften Mehringhof-Theater aufgetreten ist, sondern in ganz Deutschland, hat er so einige Bonusstunden angesammelt,. „das dauert lange, bis ich die Geschenke aufgebraucht habe!“

Nachdem sich der erste Sturm gelegt hat, eröffnet Evers das Lesereigenis mit dem allerersten Text, den er im Mehringhof-Theater je gelesen haben will, „Zwei Plätze für Scholz“, der irgendwie an Loriots „An der Opernkasse“ erinnert. „Und es ist eine Geschichte, an der man merkt, wie viel ich damals – gerade tagsüber – zu tun hatte.“ Dies betont er, weil er schon oft gefragt wurde: „Was machen Sie eigentlich tagsüber?“

In seinen kuriosen Anekdoten beschreibt er die Ereignisse aus einer naiv-unbeholfenen Perspektive. Nicht selten wächst ihm alles über den Kopf und endet im Desaster. Keine großen Weltprobleme, keine erschütternden politisch-strukturbasierten Erregungen, nein. Evers spielt mit den banalen Geschehnissen des Alltags, mit dem Zwischenmenschlichen, bei dem er oft so einsam ist.

Die Außenwelt zwingt ihn quasi ungewollt zu handeln. Mal muss er ein Reiseunternehmen gründen, mal verbitterte, depressive Spinnen retten, mal die Rolle von Heinz in der Vorortsiedlung übernehmen. Er konstruiert seine Texte zum Brüllen komisch verquer. Die beschriebenen Figuren erweckt er mit expressivem Schauspiel zum Leben.

Diese Abende im Mehringhof-Theater will er nutzen, um einige seiner alten Perlen noch einmal ins Licht zu rücken. So kommt ein ebenso urkomischer wie uralter IKEA-Text zum Vorschein, der sich heute aus seiner Sicht schon deshalb verbietet, weil jeder Newcomer, der seinerzeit noch im Kinderparadies verstaut wurde, das Thema jetzt auf der Bühne verarbeitet. Kann man eigentlich nicht mehr bringen. Horst Evers doch, gerade für extra. Und selbstverständlich die BVG, was erlebt man als Premium-Karten-Besitzer? Etwa genau so eine Katastrophe, als wenn man als guter Mensch Freunden nur eine Flasche des Parfums ‚Obsession‘ mitbringen möchte.

Die Figuren, auch seine eigene, stehen in Scharmützeln, mit beiden Beinen im Leben, nur irgendwie immer etwas schief. Daraus können nur schräge Episoden entstehen, die Horst Evers zurecht rücken möchte, wodurch es jedoch nur immer verworrener wird. Allein schon seine Moderationen treiben den Zuschauern die Tränen in die Augen und lassen den Abend zu einer nicht endenden Fiktion wachsen. Absolut sehenswert.

 

Galerie

Fotos: Carlo Wanka

© 2017 BonMot-Berlin

Homepage: Horst Evers          Mehringhof-Theater

Kategorien:Comedy, Kabarett, Kritik
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