Deutschlehrer in Rage – Kritik Johannes Schröder

Herr Schröder: „World of Lehrkraft – ein Trauma geht in Erfüllung“

von Marianne Kolarik

KÖLN – Die Klasse hat ihren Deutschlehrer bei Elite-Partner angemeldet – und im dazu notwendigen Profil „vergilbtes Löschpapier“ angegeben. Er selbst komme sich vor wie ein Sushi-Teller in der 84. Runde:
Keiner will ihn, obwohl er doch erst 43 Jahre alt sei, Johannes Schröder heißt er und trägt mit seinem Cord-Sakko ein typisches Pädagogen-Outfit. Dabei ist der Typ nicht von gestern, sondern ein zeitgemäßer Pauker mit Frustrationshintergrund, wie er selbst sich bezeichnet. Weiterlesen

Ungezügelt sündhaft – Sia Korthaus Premierenkritik

Sia Korthaus Köln - Foto © Simin KianmehrSia Korthaus: „Lust auf Laster“

von Marianne Kolarik

KÖLN – Nein, Fernfahrer hatten sich nicht ins Senftöpfchen-Theater verirrt, um alles über Laster zu erfahren. In „Lust auf Laster“, so der Titel des neuen Programms von Sia Korthaus, mit dem sie im Rahmen des Köln Comedy Festivals eine umjubelte Premiere feierte, ging es vielmehr um verbotene Leidenschaften wie Wollust („auch Lust kann zum Laster werden“), Völlerei und Faulheit – also ganz alltägliche „Sünden“, die das gewisse Etwas besitzen, kurz: sexy sind.

Dabei belässt es Korthaus allerdings nicht. Sie holt auch eine Vierjährige und die circa 90jährige Oma Emmi auf die Weiterlesen

Dasein – Dortsein – Fortsein – Premierenkritik Frank Sauer

Frank Sauer - Foto Matthias WilliFrank Sauer: „Mit Vollgas in die Sackgasse“ beim Köln Comedy-Festival

von Marianne Kolarik

KÖLN – Er hat tatsächlich brauchbare Antworten auf die drängenden Fragen des Lebens: wie – zum Beispiel – lassen sich die Öffnungszeiten von Ikea eruieren? Wie schnell soll man wohin fahren und was ist das Gegenteil von Effektiviät? Sollte man sich den Ratschlag, etwas langsamer zu machen, damit es schneller geht, zu Herzen nehmen und ist es sinnvoll, Banker als Menschen mit Investitionshintergrund zu bezeichnen?

Frank Sauer aus Freiburg („das Juwel am Rande des Schwarzwaldes“) legt in seinem neuen Programm „Mit Vollgas in die Sackgasse“ beim Köln Comedy-Festival im Senftöpfchen-Theater die irritierenden bis abstrusen Stellen bloß, mit denen wir bei unserer Selbtsoptimierungs-Kampagne tagtäglich konfrontiert werden. Weiterlesen

Martin Zingsheim beim 24. Köln Comedy Festival

Martin Zingsheim - Foto © Alessandro de Matteis„Kopfkino“ – glasklar und erfrischend

von Marianne Kolarik

KÖLN – Er hat gerade den Jury- und den Publikumspreis bei der Vorentscheidung von „Kabarett & Co“, dem von der HypoVereinsbank im Rahmen von „Jugend Kulturell“ ausgelobten Wettbewerb gewonnen und stellte nun im Senftöpfchen-Theater sein zweites Soloprogramm namens „Kopfkino“ in jeder Hinsicht überzeugend auf die Bühnenbeine.

Der 30Jährige besitzt tatsächlich alles, was einen guten Kabarettisten ausmacht: seine Pointen sind unverbraucht, überraschend und originell. Weiterlesen

Schonungslose Brunftzeit: Platzhirschinnen

Platzhirschinnen_Plakat_klNessi Tausendschön präsentiert die Platzhirschinnen im Düsseldorfer Kom(m)ödchen – mit Etta Scollo und Anka Zink und Band

von Marianne Kolarik

DÜSSELDORF – „Heute Abend wird es schön“, verspricht Nessi Tausendschön zu Beginn des Abends im Düsseldorfer Kom(m)ödchen. Draußen vor der Tür tobt die Meute, auf der Bühne zeigen die „Platzhirschinnen“, wie frau es gepflegt krachen lässt. Und zwar ganz im Zeichen der neuen deutschen Leichtigkeit – und nicht zuletzt dank einer grandiosen Band. Laia Genc am Flügel, Ulla Oster am Kontrabass und Carola Grey am Schlagzeug sind ein tolles Weiber-Trio mit jeder Menge musikalischer Power, die sich aus stupendem Können und harmonischem Zusammenspiel speist.

Die Idee, eine Art Ladies Night zu präsentieren, ist zwar nicht neu, überzeugt aber dennoch dank der ausgewählten Gästinnen („das sagen wir immer“). An diesem Abend stellt Frau Tausendschön die aus Sizilien kommende Musikerin und Sängerin Etta Scollo vor („sie muss nicht witzig sein, weil sie eine so tolle Stimme hat, ich schon“). Weiterlesen

Globetrotteln all inclusive – Premierenkritik Anka Zink

Anka Zink – Foto © Linn Marx
Anka Zink – Foto © Linn Marx
Anka Zink: Leben in vollen Zügen

KÖLN (mk) – Wenn jemand weiß, was es bedeutet, ständig unterwegs zu sein, dann der Humor-Dienstleister: Ob mit der Bahn oder dem Auto, dem Flugzeug oder dem Zeppelin – Reisen ist meistens mit Warterei und vielen anderen Imponderabilien verbunden.

Es muss nicht gleich ein Hurrikan sein, der das Fahren von A wie zu Hause nach B wie Kleinkunstbühne zur Geduldsprobe macht, es langt schon, wenn eine Dame am Bahnhofsschalter unerbittlich auf dem Ziehen einer Wartemarke besteht, auch wenn weit und breit kein potentieller Fahrgast in Sicht ist.

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Rückblick nach vorne 2012– Kritik Florian Schroeder & Volkmar Staub

Florian Schroeder und Volkmar Staub – Foto © Frank Eidel
Florian Schroeder und Volkmar Staub – Foto © Frank Eidel
Florian Schroeder und Volkmar Staub: „Zugabe 2012 – Ein kabarettistischer Jahresrückblick“

BERLIN (gc) – Die Wiederholungstäter Florian Schroeder und Volkmar Staub sind auch in diesem Jahr unterwegs, um das ablaufende Jahr Revue passieren zu lassen. In den sehr gut besuchten Berliner Wühlmäusen haben sie das Publikum mit außergewöhnlichen Ideen und hemmungslosen Parodien bestens unterhalten.

Kein politischer und kein religiöser Führer ist vor dem Spott der beiden sicher. Wie am Stammtisch blicken sie zurück auf die großen und kleinen Geschichten von 2012.
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Horst Schroth: Was weg ist, ist weg – Kritik

Horst Schroth 01 - Foto  © Oliver FantitschEin abendfüllender Geburtstag

BERLIN (gc) – Mutig ist er schon, der Horst Schroth! In anderthalb Jahren im (theoretischen) Rentenalter angekommen, ist er sich für keinen modischen Gag zu schade. Violette Wildlederschuhe sind es, die er bei seiner ausverkauften Vorstellung in den Berliner Wühlmäusen zum schwarzen Anzug trägt. Und sie passen perfekt zu seinem Einstecktuch. Respekt!

Welche Farbe haben noch gleich die Schuhe von Benedikt XVI.? Religionsübergreifend erzählt der Katholik Horst Schroth in „Was weg ist, ist weg“ erneut eine seiner atemberaubenden Geschichten. Sein Auto ist durch einen Brand zerstört worden und damit auch sein Laptop und seine Ausweispapiere. Weiterlesen

Zugabe 2011 – Der kabarettistische Jahresrückblick – mit Florian Schroeder & Volkmar Staub – Kritik

Zugabe Schroeder Staub – Foto © Frank EidelDer Diktator im Abflussrohr oder:
Nun tu doch mal was!

BERLIN (gc) – Mit „Staub“ und „Schroeder“ reden sie sich an, wenn sie an ihren Tischen sitzen. Florian Schroeder hat dabei den größeren, den Chef-Schreibtisch, während Volkmar Staub sich mit einem quadratischen Kneipentisch begnügt. Sie wirken wie Vater und Sohn und belegen eindrucksvoll, wie generationenübergreifendes Lachen funktionieren kann.
Entspannt werfen sie sich die Stichworte aus den Textbüchern zu, schließlich sind sie ein eingespieltes Team und ihr Jahresrückblick „Zugabe“ hat schon eine gewisse Tradition. Weiterlesen

Liebeserklärungen für alle Lebenslagen – Michael Sens

Michael Sens: Das Casanova-Prinzip – Kritik

Michael Sens

BERLIN (gc) – Was macht der Mann da im ausverkauften Berliner Theater ‚Die Wühlmäuse’? Alles ein bisschen, aber von nichts zu viel! Michael Sens ist schon seit frühester Kindheit ein musikalisch vorbelasteter Mensch. Später, in Studienzeiten, hat er sich dann an Violine, Klavier, Komposition und auch Gesang abgearbeitet. Das spürt man. Eine ungeheure Lust an Spiel und Perfektion zeigt Michael Sens, wenn er das ‚Casanova-Prinzip’ erklärt. Es bedeute schlichtweg, die Frauen in sich verliebt zu machen – über den ersten Abend hinaus! Und höflich zu sein, den Frauen also beim Auszug aus der gemeinsamen Wohnung die Tür aufzuhalten.

Doch der Abend beschränkt sich nicht auf allgemeine Ratschläge zum glücklichen Umgang mit dem anderen Geschlecht. Es ist vielmehr eine wortgewaltige Kaskade kleiner und großer Bosheiten, die dem Publikum entgegenschlägt. Stark differierende Formen der Wohnraumgestaltung alleinlebender Männer und Frauen werden sehr plastisch dargestellt: Chaos und Schmutz stehen hier Eleganz und Stil gegenüber.

Da sollte der perfekte Liebesbrief ruhig mit dem diktatorischen Personalpronomen ‚mein’ beginnen, ‚Mein lichtumwobener Edelstein’ sei ein guter Anfang. Liebesbriefe verschiedener Berufsgruppen werden vorgetragen, zum Beispiel die von Mathematiklehrern. Diese seien zwar in der Regel berechnend, aber auch bei ihnen gehe in der Liebe nicht jede Gleichung auf. Wo aber kann der Traumpartner kennengelernt werden? In der Sauna sei das manchmal möglich, wenn nicht der Sauna-Proll störe, dieser „Silberrücken vom Planet der Affen“.

Michael Sens lädt mit der Gitarre zu Ausflügen in die Musikgeschichte ein: zum Minnesang und zur Entstehung der Notation. Er spielt am Flügel seinen Evergreen um den ‚Cup der toten Tonsetzer’, einem Fußballspiel klassischer Komponisten, bei dem jedem Kicker eine charakteristische Melodie zugeordnet ist. Mit der Geige kann er endlich zugeben, der Zwillingsbruder von André Rieu zu sein, optisch und musikalisch.

Sens singt irgendwo in der Mitte zwischen Oper und Pop. Singen reicht ihm aber nicht, er stellt seine Lieder auch noch szenisch dar. Köstlich, wie er das beim Lied über Holz hackende Männer tut und sowohl das ‚Ave Maria’ von Franz Schubert als auch rammsteinähnlichen Krach einsetzt. Auch vor Parodien macht der Künstler nicht halt. Hier und da blitzt sogar etwas Politisches auf. Das Publikum ist anfangs unsicher, wie es mit diesem großen Sprachschnitzer und scharfen Beobachter umgehen soll. Doch das legt sich bald, und alle sind sich einig: Der ist klasse! Der Stil ist nicht so leicht zu schubladisieren, aber der Spaß ist garantiert.

Gilles Chevalier © 2011 BonMoT-Berlin Ltd.

nächste Termine:
8.3.2011 Leipzig, Funzel – Achtung: Internationaler Frauentag!!!
18.3.2011 Wangen, Hängeschmiede
20.3.2011 Köln, Senftöpfchen, Kabarettbundesliga
31.5.2011 Oldenburg, Staatstheater

www.michael-sens.de