Blick über die eigene Schulter in die Welt – Premierenkritik Mathias Tretter

Tretter_Pop 1 Kopf

Mathias Tretters neues Programm „Pop“

von Harald Pfeifer

LEIPZIG – Kabarettisten sind etwas in der Zwickmühle. Einerseits trachten sie danach, ihre Weltsicht unmissverständlich zu erklären, andererseits wollen sie dem Vorwurf entgehen, ihr Publikum nur zu belehren. Da ist man im Zeitalter der ambitionierten Amateure sehr empfindlich. Mathias Tretter hat da seinen Weg gefunden. Wenn es um Haltung geht, lässt er keinen Zweifel offen, er nimmt sich dann aber auch selbst als abschreckendes Beispiel, geht über zum Rollenspiel, treibt sein Solo ins Absurde, auch die Kalauer lässt er nicht aus, und doch bleibt Tretter bei allem immer ganz seiner Intension treu. All seine Mittel nutzt er auf der Bühne dabei mit auffallender Sicherheit. Gekonnt wirft er einen Blick über die Schulter in die ach so verkommene Welt. Weiterlesen

Bist du noch Hipster oder schon Tretterianer? – Kritik Mathias Tretter

Mathias Tretter - Foto © Julia KobalzMathias Tretter: „Selfie“

von Gilles Chevalier

BERLIN – Mathias Tretter hat sich viel vorgenommen. Er will endlich berühmt werden! So richtig berühmt. So berühmt, dass er seine Anhänger als „Tretterianer“ bezeichnen kann, analog zu den Anhängern Richard Wagners.

Das erklärt, warum sein Programm mit der Ouvertüre des „Fliegenden Holländers“ beginnt. Glücklicherweise klingt diese bombastische Musik im Theater der Berliner Wühlmäuse auch bombastisch.

Wagners Musik muss es schon sein, wenn man eine Apotheose durchleben will! Mit Mozart geht das nicht, sagt Tretter: „Mit einem Österreicher einmarschieren, Weiterlesen

Vier Männer außer Rand und Band – Kritik Tukur

Tukur u RB - Foto Katharina JohnUlrich Tukur & die Rhythmus Boys:
„Let’s Misbehave“

von Marianne Kolarik

KÖLN – Ulrich Tukur & die Rhythmus Boys hauen auf den Putz, dass es nur so kracht. Tukur erscheint ohne Beinkleider, Kalle Mews im Tutu, Ulrich Mayer im rosarot glänzenden Fummel über dem Fatsuit und Günter Märtens als langer kopfloser Lulatsch – Grusel à la Schweinchen Dick, ergänzt mit einer Prise Anarchie und der Lust, sich zum Affen zu machen.

„Let’s Misbehave“ heißt der Abend, an dem man sich so richtig schlecht benehmen darf. Herren, die Pups-Geräusche nachmachen, in der Nase popeln, mit einer Wasserpistole ins Publikum spritzen und – natürlich am allerschlimmsten – es wird geraucht. Trotz ausdrücklichen Verbots. Weiterlesen

Selfie mit Weltgeschehen – Kritik Mathias Tretter

Mathias Tretter - Foto © Julia KobalzMathias Tretter: „Selfie“

von Harald Pfeifer

LEIPZIG – Die Gegenwart ist auf eine seltene Art verfahren. Nie ist so viel CO2 in die Welt gepustet worden wie heute, die Chinesen wollen den gleichen Lebensstandard wie wir, wo man hinsieht, gibt es Kriege, Flüchtlinge ohne Zahl, und man strebt nicht etwa nur nach Macht, es muss Weltmacht sein.

Und all das zählt der Kabarettist, von Tretter gespielt, in einem Ton auf, als wäre alles anders, wenn man ihn nur fragte. Er redet viel von Post, vor allem von Postdemokratie.

Am 9. Oktober hat er sein neues Programm „Selfie“ in Würzburg uraufgeführt, am 11. Oktober war dann Leipzigpremiere im academixer-Keller. Und die endete mit großem Applaus. Ein Programm, das kein Spektakel suchte. Weiterlesen

Familiäre und finanzielle Fallstricke – Kritik Claus von Wagner

Claus von Wagner – Foto © Simon BüttnerClaus von Wagner: „Theorie der feinen Menschen“

BERLIN (gc) – Elf Monate nach der standesgemäßen Premiere in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft gastierte Claus von Wagner mit seiner „Theorie der feinen Menschen“ im Varieté-Salon der Berliner ufaFabrik. Es wurde ein Abend der scharfen Analysen: gesellschaftlich und finanztechnisch.

Claus von Wagner spielt Klaus Neumann. Diese Figur erleidet schwere Schicksalsschläge. Weiterlesen

Erkenntnisreich durch arme Zeiten – Kritik Butzko

HG.Butzko - Foto: Peter Kronenberger
HG.Butzko – Foto: Peter Kronenberger
HG.Butzko: „Herrschaftszeiten“

BERLIN (gc) – Warm Up? Fehlanzeige! Keine Klatschübungen oder Fragen nach dem Wohlergehen des Publikums. HG.Butzko stürmt in seinem Programm „Herrschaftszeiten“ auf die Bühne der Wühlmäuse und legt los. Elegant lässt er den vergangenen Monat Revue passieren und bedenkt die Körperhaltung der Kanzlerin und das „Artiku-la-la-tionsvermögen“ des FDP-Fraktionschefs mit besonderer Aufmerksamkeit.

Den Schwerpunkt in „Herrschaftszeiten“ legt Butzko auf das Geld, vor allem auf das fehlende. Weiterlesen